Konzeptionen

Lernstudio als Alternative zu herkömmlicher Bildung?

Nach jahrelanger und ausreichender Erfahrung im privaten als auch kommerziellen Nachhilfesektor, sowie im staatlichen und privaten Schulbetrieb, störten mich viele Dinge an den Geschäftsmodellen herkömmlicher Sekundärbildungsinstitute.

Vorneweg ist die Idee, die verkauft wird, immer eine Hilfe; eine Unterstützung, die schwächeren Schülern ermöglichen soll, jene fachlichen Defizite auszugleichen, die ihre schulischen Leistungen beeinträchtigen.

Im wenig transparenten Preissystem werden gefühlt willkürliche Summen für Einzel- oder Gruppenunterricht vereinbart, wobei im Allgemeinen fälschlicherweise davon ausgegangen wird, dass teurer Unterricht irgendwie schon guter Unterricht sein wird.

Zur Qualtitätskontrolle dient allerhöchstens die Zensur der nächsten Arbeit, und Schüler als auch Nachhilfelehrer, und auch die Beziehung zwischen beiden, stehen unter dem gleichen Leistungsdruck, der auch schon in der Schule allgemein vorherrscht.

Zudem sollte man eingestehen, dass viele Schüler nicht in nur einem Fach mit Defiziten zu kämpfen haben, sondern meistens mit ganzen Bereichen oder Clustern. Es wird also notwendig, in mehreren Fächern Nachhilfe zu vereinbaren. Der Kunde bekommt also für jedes Problemfach eine weitere Betreuungsperson, die dann meist in nur 45min wöchentlich versucht, im Kopf der Schüler dem Lehrbetrieb hinterherzuräumen.

Dies sorgt nicht für eine Lösung des Grundproblems, sondern behandelt nur das Symptom, sorgt für ein Abhängigkeitsverhältnis, ist defizitorientiert und wiederholt meistens nur die oft negativ erlebte Unterrichtserfahrung, mit etwas Glück in einem angenehmeren Kontext, was aber auch oft nicht der Fall ist. Und das ist zudem sehr kostspielig. Desweiteren ist eine ständige Organisation von Nöten, um Schülerfreizeit und Fachlehrerarbeitszeit in beschränkten Räumlichkeiten auf einen Nenner zu bringen. Stunden fallen aus, werden verlegt, Ersatz wird vereinbart und die Nachhilfe wird nichts anderes als ein, hoffentlich nicht nur lästiger, kostspieliger Pflichttermin: vergleichbar mit einem Arztbesuch für einen chronisch Kranken.

Oft ist dies zudem auch nicht erfolgreich, weil die Lehrkraft zwar alles nocheinmal erklärt und verbessert, der Schüler in den Leistungskontrollen aber durch den geänderten Kontext und ohne Betreuer das Wissen meist nicht mehr verfügbar hat.

Für eine derartige Betreuung von je 45Minuten wöchentlich in zwei Fächern fallen schnell monatliche Beträge um die 200€ an.

Was die meisten Schüler aber wirklich brauchen, ist ein integratives, systemisches Coaching und einen festen Ort zum selber lernen. Sie brauchen menschliche Ansprechpartner, nicht fachliche. Sie brauchen Spaß und eine gute Atmosphäre. Zeit auch zu entspannen und nicht unter Druck zu stehen und Jemanden, der sowohl ihre Beziehungssysteme als auch die neurologischen Netzwerke versteht, die ihnen ein Lernen ermöglichen.

Die Idee des Lernstudios ist einfach: Anstatt Schülern stundenweise und fachgebundene Termine aufzuzwingen, wird ein Ort geschaffen, der sich weniger mit einer Bildungs-Arzt-Praxisgemeinschaft, als vielmehr mit einem Fitnessstudio vergleichen lässt:

Ein Lern- und Lehr-raum, für dessen flexible Nutzung die Schüler monatlichen Mitgliedsbeitrag zahlen, um dann ganz nach Wunsch und Laune, mit jedem Lerninhalt erscheinen zu können, der nach Wahl selbstständig oder auch miteinander angegangen werden kann. Dort wird möglich, die Schüler beim Erwerb von Wissen und Fähigkeiten zu betreuen, sie zu coachen, ihnen Lerntechniken und Haltungen zu vermitteln, die sie nicht alleine nur durch die nächste Klausur, sondern gemeinsam besser durch Lern-, Schul- und Lebensalltag bringen.

Und wenn ein Schüler an nur einem einzigen Nachmittag in der Woche für drei Zeitstunden in das Studio kommt, hat er im Vergleich mit dem herkömmlichen Modell bereits doppelt so viel Lernzeit für gerade mal die Hälfte vom Geld erhalten (100€ Monatsbeitrag). Und er könnte ja, für das gleiche Geld, auch an zwei, drei oder sogar fünf Nachmittagen kommen, muss aber nicht. Muss überhaupt gar nichts

So entfällt der Zeit- und Leistungsdruck und Schüler können auch einfach einfach mal nichts tun, auch Pause machen ohne dass immer eine Stechuhr weitertickt. Oder einfach gar nicht erscheinen, wenn sie heute nicht wollen, ganz ohne dass ein Termin abgesagt oder umgelegt werden muß. Wir haben Lernspiele, welche die Kapazitäten der Wahrnehmung steigern, und die gemeinsame Pausen auflockern. Eine Vielzahl an Geduldspielen und Puzzles, die die Problemlösungsfähigkeit steigern, stehen zur Verfügung, wenn die herkömmlichen Lerninhalte mal keinen Anreiz bieten. Eine bequeme Lesecouch lädt Schüler ein, sich Bücher mitzubringen. Im Lernstudio gibt es den Wechsel von offenem Lachen und zielgerichteter Konzentration für Lerner jeden Alters.

Dies alles führt zu einem besseren Lernerfolg und einem tollen Betreuungsverhältnis. Es ensteht eine menschlich bessere und erfolgreichere Lernsituation für Lerner und Betreuer!

Und das ist was Ich anbiete!

Tobias Rohde, Sollbruch Lernstudio, Heidelberg 2010